Ein Lebenstraum von Nord nach Süd

Nachts im Zelt…

Was nachts im Zelt von Radreisenden passiert…

Normalerweise ein Big Secret. Aber wir erzählen’s euch einfach trotzdem mal.  Am Beispiel unserer Übernachtung in Pinell de Braie.

Wir, seit ‚zig Jahren zum allerersten Mal wieder mit Zelt unterwegs, machen großspurig gleich das volle Programm: Übernachten bei einem zerfallenden Bahnhof, keine Menschenseele in der näheren Umgebung. Der nächste Bauernhof dürfte ein/zwei Kilometer weg sein, zu sehen ist er jedenfalls nicht. Ok, man hört ab und zu, wenn der Wind richtig steht einen Hund bellen. Oder Wolf heulen? Die nächste Ortschaft sei 6 Kilometer weg (Pinell de Braie), sagt das Entfernungsschild am Bahnhof. Und irgendwie fühlt sich das jetzt plötzlich ziemlich alleine an.

Aber wir sind immer noch vollkommen überzeugt. Angst? Fehlanzeige. Ganz allmählich wird es dunkel. Die Nacht wird zwar Vollmond haben… aber solange der nicht aufgegangen ist, aber die Sonne unter, ist halt irgendwann mal NIX mehr zu sehen. Immerhin steht das Zelt schon.

Zum Glück haben wir auch eine Flasche Wein für die erste Nacht mitgenommen. Die öffnen wir im Zelt, trinken uns Mut an und hoffen auf genügend Wirkung, doch bald schlafen zu können. Außerdem haben wir ja einen Hund dabei, Beschützer auf vier Pfoten.

Hoffentlich weiß er das auch. Der Geist im Wein hat uns jetzt schon ein bisschen entspannt, trotzdem können wir eine gute Stunde lang nicht einschlafen. Wir hören ALLES. Rascheln vor dem Zelt, Rascheln hinter dem Zelt, einen Kauz flöten, den Hund heulen. Gibt es eigentlich Bären in den spanischen Natur-Reservaten? Als nächstes raschelt es im Vorzelt, Benni knurrt und versucht durch die geschlossene Zelttür den Eindringlich zu fressen. Klappte nicht.

Alte Pfadfinderlektion: Falls Bären, dann Essbares in den Baum hängen. Also stehe ich nochmal auf, traue mich nach draußen und binde unseren Küchenkoffer und das Hundefutter in den nächsten Baum hoch. Holt es euch doch, wenn ihr könnt !!!

Eine gute Stunde später werden wir schon alleine vom angestrengt nach draußen horchen müde und können trotz Rascheln und Krabbeln ums Zelt einschlafen.

Und dann kommt’s ganz dick: Mitten in der Nacht wachen Tina Vornesitzer und ich gleichzeitig auf weil unser Hund ZITTERND über unsere Schlafsäcke steigt und sich schutzsuchend zwischen uns verstecken will. Ok, klar: Jetzt ist Alarm, Notprogramm. Die erste schnelle Analyse im Aufwachen sagt: Ich höre zwar nichts von draußen, aber wenn sogar unser BESCHÜTZER nicht mehr hilft gibt es nur noch wenige denkbare Gefahren draußen. Eigentlich kommen dann nur noch Bären, Vampire oder schizophrene Massenmörder mit Kettensägen in Betracht.

Wir lauschen nach draußen und hören…. NICHTS. Rascheln ist weg, Kauz scheint auch zu schlafen und der Hund gibt Ruhe. Wir trauen uns minutenlang kaum zu atmen und versuchen da draußen etwas Gefährliches auszumachen. Immer noch nichts. Doch, da! Jetzt wo es richtig still draußen ist können wir plötzlich den Wind sachte in den Bäumen rauschen hören… und erinnern uns daran dass unser Beschützerhund eben doch eher ein ängstliches Kuscheltierchen ist und bei den rauschenden Bäumen vermutlich auch von Vampiren und Kettensägen geträumt hat.

Jedenfalls machen wir nach der Erkenntnis noch einen ganz kurzen Spaziergang im jetzt strahlend hellen Vollmond über den Bahnhof, sehen dass da wirklich nach wie vor NICHTS ist und schlafen den Rest der Nacht richtig gut durch.

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