Ein Lebenstraum von Nord nach Süd

Tag 6: Abgebrochene Rückfahrt nach Tortosa

Tag 6 beginnt für uns schon vor 8 Uhr. Es wird allmählich hell, und obwohl wir beide nicht allzugut geschlafen haben sind wir zu wach um weiterzudösen.

Selfie (es graut dem Morgen)

Die Sonne geht allmählich auf und wir sehen die Spitzchen der Bergkette hinter uns schon im Sonnenlicht blinken. Trotzdem liegt unser Nachtplatz am Bahnhof noch im Schatten der gegenüberliegenden Hügel und wir frösteln beide mit dem Morgenkaffee in der Hand den ersten Sonnenstrahlen entgegen.

Sehnliches Warten auf die Sonne

Als uns die Sonne endlich auch erreicht hat trödeln wir noch mindestens eine Stunde herum bevor wir das Zelt abbauen, zusammenpacken und uns abfahrfertig machen. Zuviel Zeit haben wir nicht, immerhin liegen heute 60 Kilometer Rückweg vor uns, wir wollen bis Tortosa fahren und unser Pino / Gepäck noch bei Tageslicht ins Auto packen.

Benny hat auf den letzten Etappen auch gelernt, dass unsere Fahrtrichtung immer der Bahntrasse entlang geht und darf inzwischen traditionell auf den ersten Kilometern vorauslaufen. Er hat eine Superfreude daran und lässt uns das auch mit freudigem „fangt-mich-doch-wenn-ihr-könnt“-Gebell wissen. Wir können! Er überschätzt seine Kondition hier regelmäßig so erheblich, dass wir ihn schon nach 2-3 Kilometern wieder aufsammeln können und er den Vorschlag gerne annimmt, es sich im Hundehänger wieder gemütlich zu machen.

Das Höhenprofil ist bis auf eine 9km lange Steigungsstrecke permanent sehr freundlich und es rollt die meiste Zeit ohne große Anstrengung abwärts. Wir passieren die Ortschaft Lleido, wo der Fluß unter der Eisenbahnbrücke aufgestaut ist und jetzt -Anfang Oktober- noch Kinder baden. Herrlich.

Wir rollen weiter abwärts, immer noch mit dem Ziel, unser Radelabenteuer heute abend in Tortosa zu beenden. Kaum 10 Kilometer weiter fühlt sich auf einmal die Lenkung des Pino schwammig an: Klar, der Vorderreifen verliert massiv an Luftdruck. An der nächsten sonnigen Stelle halten wir an und flicken das Teil: Ein Pflanzendorn hat sich durch den Mantel gestochen. Sonnige Stelle war gut gemeint, das Flicken des Reifens und das Aufpumpen auf 4 bar wird dank der Mittagssonne und 25° zur schweißtreibenden Angelegenheit am Ortseingang von Bot.

Weiter geht’s, wir rollen jetzt wieder auf den Teil dieser Via Verde zu, an der sich auf 22km 20 Tunnels versammelt haben und freuen uns schon auf diese ganz besondere Landschaft und suchen in unseren Erinnerungen vom Hinweg nach den schönsten Haltemöglichkeiten für unseren Mittagscappuchino. Zack… Tina ruft Stopp und wir halten nach einem langen Viadukt mitten im Niemandsland an. Wunderschöner Platz, ein altes Bahnwärterhäuschen das ein junger Kiefernwald mehr und mehr verbirgt. „Hier will ich übernachten“ meint Tina Vornesitzer und bis zur Umsetzung dieses Plans sind kaum Überredungskünste nötig. Der Ort strahlt eine enorme Ruhe aus, der Boden ist von weichen, braunen Kiefernnadeln bedeckt und fühlt sich unter den Füßen sehr angenehm an. Zudem haben die Planer der Via-Verde exakt vor das Gebäude noch einen Rastplatz mit zwei Tischen und Bänken angelegt. Wenn das keine Einladung ist?

Es ist noch ein bisschen früh, das Zelt aufzuschlagen weil wir unseren Übernachtungsplatz eventuell vorbeikommenden Radlern/Wanderern natürlich nicht präsentieren wollen. Also kochen wir noch einen Cappuchino und lassen uns Zeit. Wir haben die Tagesetappe ja offiziell abgebrochen und unser Auto darf einen Tag länger in Tortosa auf uns warten.

Der Zeltplatz hält, was er verspricht und wir verbringen eine herrlich ruhige und entspannte Nacht in dem Kieferwäldchen. Mitten in der Nacht stehen wir sogar nochmal auf, um in der Mitte des Viadukts die Sterne am wolkenlosen Himmel zu bewundern.

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200km Bahntrassen im Oktober 2012

Unsere Radtour mit Zelt, Hund und Pino Hase auf der Bahntrasse Tortosa - Alcaniz:

    • Via Verde del Baix Ebre
    • Via Verde de la Terra Alta und
    • Via Verde de la Val de Zafan

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