Ein Lebenstraum von Nord nach Süd

Hof – Fichtelgebirge – Naabtalradwege

An unserem zweiten Ruhetag am Auensee bei Hof kommt unser Tandem Pino abends aus der Werkstatt zurück. Die Radwerkstatt Hensel & Koller war die einzige in Hof, die uns flexibel einen passenden Termin für den Austausch des Tretlagers anbieten konnte und uns das Pino sogar per Transporter wieder an den Campingplatz bringt. Vielen Dank für diesen Service!!!

Das Zelt muss wieder mal nass eingepackt werden, zum Glück dieses Mal nur vom Morgentau statt von Regen: Die Hitzewelle hat Deutschland jetzt, Ende August, nochmal im Griff und es es liegen laut Wettervorhersage mehrere Tage mit deutlich über 30°C vor uns. Besonders vor diesem ersten Tag haben wir deshalb großen Respekt: Die Strecke wird uns über das Fichtelgebirge ins Naabtal führen und die ADFC-Radkarte zeigt hier mehrere signifikante Steigungen -deutlich größer 7%- bis auf eine Höhe von gut 800m NN an. Jammern hilft wieder nix, wir nehmen uns aber vor, den Tag so sachte wie möglich anzugehen und die Hitze ernst zu nehmen.

Vom Campingplatz Auensee fahren wir auf der Landstraße nach Hof, da -Realsatire!!!- der Saaleradwanderweg auf dieser Strecke für bepackte Reiseräder wegen einer steilen Treppe nur nach Demontage des kompletten Gepäcks fahrbar ist und außerdem auf heftigen Steigungen rechts und links der Saale hin- und herhüpft. Wir haben ja ohnehin eine anstrengende Etappe vor uns und wollen nicht alle Körner schon auf den ersten 10 Kilometern hergeben.

Ab Ortseingang Hof ist der Saaleradweg aber dann wirklich sehr schön fahrbar und wir folgen der Saale bis nach Schwarzenbach.

Die Strecke geht jetzt über Kirchenlamitz, Weißenstadt und Weißenhaid, wo wir schon bis auf eine Höhe von 630m klettern. Dort ist erst einmal Pause, Tina Vornesitzer holt uns am Supermarkt unser verdientes Eis und eiskalte Cola ab, während Udo Hintensitzer im Schatten der Supermarkthalle aufs Pino aufpasst und geduldig die Fragen von zwei interessierten Frauen beantwortet. Wo wir herkommen (Nordkapp, ehrlich?), ob wir einen e-Motor haben (natürlich nicht), wie lange wir unterwegs sind, ob das Pino gut zu fahren ist. Es ist eine tolle Sache, mit diesem Gespann unterwegs zu sein, da wir schon ein bisscher Hingucker sind ist es sehr einfach, mit Leuten ins Gespräch zu kommen und wir lernen auch sehr interessante Geschichten kennen.

4 Kilometer nach dem eiskalten Cola sind wir schon wieder ziemlich aufgeheizt und stehen am Fuß unseres Angstgegners von heute. Es ist jetzt 15 Uhr, auf den nächsten 3 Kilometern liegt eine Steigung mit 7-9% vor uns und es hat inzwischen 33°C im Schatten -wenn es Schatten hätte und der Asphalt die Hitze nicht auch noch zurück reflektieren würde. Unser Ortlieb Wassersack ist noch fast voll, wir nutzen jetzt einen guten Liter Wasser davon um uns gegenseitig den Kopf und den Rücken abzuduschen, setzen den Helm auf und starten in die Bergwertung.

Bergfahren auf einer befahrenen Straße ist immer ein bisschen mehr anstrengend als auf einem ruhigen Radweg: Auf der Straße weiß man nie so genau, wieviel Überholabstand das nächste Auto lassen wird und ist gezwungen eine sehr saubere, gerade Linie zu radeln. Bedeutet auch, einen Tick schneller hochzuradeln als Mindesttempo.

Die satte Steigung über 160 Höhenmeter ist bei dieser Hitze jetzt wirklich hart und bringt uns mit unserem 250kg-Gespann an unsere echten Grenzen. Wir sehen beide schon Sternchen vor Augen, als wir -fast ganz oben- auf dem kleinen Parkplatz zur Egerquelle einbiegen und das Pino beim Aushecheln fast nicht stehend halten können. Auch Lasse Isbjørn ist schon ganz blau im Gesicht vom Luft anhalten und beim Versuch, sich selbst leichter zu machen. Hellwach wird er, als er das Schild zur Egerquelle und „200m“ sieht, das will er anschauen. Der Weg geht in den Wald, was uns kühlen Schatten verspricht, „-quelle“ klingt nach frischem, kaltem Wasser und so muss Lasse nicht lange argumentieren. Über eine Stunde sitzen wir dann an einer Bank oberhalb der Egerquelle, genießen das Abklingen der Sternchen vor den Augen, machen Vesper- und Trinkpause und warten auf Lasse, der die ganze Zeit begeistert durch diesen Wald stromert.

Nachdem wir ihn wieder eingesammelt haben machen wir die verbleibenden 30 Höhenmeter über den Berg und freuen uns riesig auf das gemütliche Hinunterrollen durch Fichtelberg bis nach Mehlmeisel, wo wir auf dem Campingplatz Holderbach unser Zelt aufbauen und echt müde auf unsere Luftmatratze kriechen. Der Tag hatte es wirklich in sich, mit 65 Kilometern und 820 Höhenmetern war er schon im Bereich der härteren Norwegen-Etappen. Nur dass es heute runde 20°C wärmer war.

Die Sonne heizt das Zelt am nächsten Tag schon recht früh auf, nach dem Frühstück bleiben wir aber noch lange bei der Campingplatzbetreiberin stehen, philosophieren mit ihr über Freizeiten, kleine Fluchten und den Sinn des Lebens bis es wirklich wieder Zeit zum Losradeln wird.

Hier oben im Fichtelgebirge entspringt die Fichtelnaab, an der wir die ersten 30 Kilometer bis Krummenaab flußabwärts entlang radeln dürfen. Eine wirklich wunderschöne Radstrecke, die vermutlich einer früheren Bahnstrecke folgt und deshalb ein sanftes, gleichmäßiges Gefälle anbietet. Fast zu schnell rollen wir deshalb diese Strecke entlang, die auf langen Abschnitten durch idyllische Wälder führt und angenehmen kühlen Schatten bringt. Die Strecke ist wirklich schön und für Familien auch mit kleinen radfahrenden Kindern gut geeignet.

Außerdem haben wir hier wieder ein rundes Jubiläum auf der Strecke: Heute machen wir die 5000 Kilometer unserer Radreise komplett!!!

In Krummenaab beginnt dann der härtere Teil, der dann in den Waldnaabradweg übergeht. Nicht mehr kindergeeignet. Anspruchsvoll. Oder besser SEHR anspruchsvoll. Sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt. Der Radweg dürfte eigentlich auch gar nicht Waldnaabradweg heißen, ehrlicher wäre „Der-Radweg-der-die-Waldnaab-dreimal-überquert“ gewesen, auch wenn man dafür längere Hinweisschilder gebraucht hätte. Dieser Radweg gibt sich recht erfolgreich die Mühe, jeden möglichen Hügel rechts und links der Waldnaab bis zum höchsten Punkt ausfahren zu wollen und die Waldnaab bestenfalls per Brücke zu touchieren. Wir verbrauchen in der Hitze dann einige Heilige bis wir in der Dämmerung endlich auf dem Zeltplatz in Naabburg eintrudeln. Zum Glück stehen in den nächsten Tagen flachere Etappen in der Hitze an, solche Bergwertungen könnten wir in der Hitze nicht jeden Tag machen.

An den nächsten beiden Tagen geht es ab Weiden in der Oberpfalz wieder weitgehend an der Naab entlang und die Höhenmeter entspannen sich. Es ist wieder Radwandern zum Genießen, kleine Biergärten am Radweg, schöne Landschaften und schattigen Mittagspausen am Fluss. Die Oberschenkel dürfen sich nach den harten Tagen seit Hof wieder ein wenig entspannen und wir treffen in Regensburg bei der Naabmündung auf die Donau.

Im Vergleich zu den kleinen Flüsschen der letzten Wochen ist die Donau hier bei Regensburg schon ein imposanter Strom, den wir per Radweg auf der Eisenbahnbrücke überqueren. Ab hier schwenken wir auf den Donauradweg flussaufwärts ein und stellen uns auf mehr Radlerverkehr ein. Immerhin ist der Donauradweg der bekannteste Flussradweg Deutschlands.

Weiter mit „Regensburg – Donauradweg – Bodensee

Die Bildergallerie dieser Etappe:

Unsere Etappen in der Übersicht

Die Hinreise zum Nordkapp

Vom Nordkapp nach Tromsø

Troms - Vesteralen - Lofoten

Bodø - Trondheim

Trondheim - Südnorwegen / Halden

Schwedische Westküste

Deutschland Nordost-Südwest: Usedom bis Bodensee

Frankreich Ost-West: Mulhouse - Nantes - Eurovelo 6

Frankreich Atlantikküste: St. Nazaire - Biarritz - Eurovelo 1

Spanien: Atlantik und Jakobsweg