Ein Lebenstraum von Nord nach Süd

Røros und Femundsee

Die Nacht war ruhig, auch der Elch hatte wohl anderweitige Termine und hat uns nicht besucht. Scheint eine Masche von denen zu sein, Kotspuren zu hinterlassen und dann aber doch nicht aufzutauchen.

Unser Übernachtungsplatz am Bergbach liegt noch im Gaulatal, von hier aus sind es knapp 70 Kilometer nach Røros, wo wir einen ruhigen Tag mit Stadt anschauen und einem Besuch des Kupferbergbaumuseums verbringen wollen.

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Die Straße

RV30 folgt der Gaula bis Ålen, der Fluß wird hier in einem oberen Drittel wilder und fällt über zwei Wasserfälle ganz nahe der Straße. Mit der Steigung des Flusses müssen wir natürlich auch nach oben radeln und verdienen uns damit unsere Pause am Rastplatz beim zweiten Wasserfall, dem Hyttfossen.

Die RV30 hat für unseren Geschmack jetzt recht viel Verkehr, wir werden auch ein/zwei Mal eher dicht überholt, was unsere Lust auf diese Straße zusätzlich reduziert.
Kurzer Aufruf: Wenn ihr im Auto sitzt und ein Fahrrad überholen wollt (blinken und ohne auszuweichen vorbeifahren zählt nicht zur Kategorie Überholvorgang), macht das bitte dann, wenn KEINER entgegenkommt, wenn ihr weit genug nach vorne sehen könnt so dass ihr dem Radler MINDESTENS einen vollen Meter Platz lassen könnt. Ihr werdet Glücksgefühle beim Radfahrer auslösen. Und bei euch, wenn ihr den Radfahrer im Rückspiegel dankend winken seht.

Bevor sich die Autos hier nach Røros wälzten muss auch der historische Weg hier entlang geführt haben: Reste sehen wir unter anderm an einer historischen, aus Steinen geschichteten Brücke bevor wir endgültig auf Nebenwege ausweichen und eine Stunde später auf dem Campingplatz in Røros einlaufen.

Von Røros zur ehemaligen Kupfermine Olavsgruva sind es laut Infoblatt 13 Kilometer, von unserem Campingplatz aus dürfte es ungefähr einen Kilometer weiter sein. Da unser Zelt, unser Gepäck und der Anhänger am Campingplatz bleiben schätzen wir eine Fahrzeit von 45 Minuten.
Für die Führung um 10:30 reicht es also locker wenn wir uns um 9:30 auf den Weg machen… denken wir, werden aber schon nach wenigen Kilometern schlauer: Die Strecke zur Olavsgrua hat ein paar Höhenmeter zum Frühstück gevespert, wir kämpfen uns Hügel um Hügel nach oben um -nassgeschwitzt- wirklich wenige Minuten vor dem Start der Führung bei der Museumsgrube anzukommen.
Verschärfend kommt dazu, dass sich die hintere Schaltung des Pino mehr und mehr verabschiedet, vermutlich hat der Schaltzug so viel Regenwasser abbekommen dass er jetzt leicht rostig zu klemmen beginnt und sich nur mit vielen Flüchen sauber auf die Ritzel zentrieren lässt. Da muss Udo Hintensitzer vor der Rückfahrt auf jeden Fall noch mit dem Ölkännchen ran.

Die Storwartzgrube wurde beginnend im Jahr 1644 als Kupfermine genutzt, sehr aufwändig wurde dort das Kupfererz abgebaut. Damals haben deutsche Bergbauer den Kupferabbau unterstützt weil das nötige Wissen über Kupferabbau in Norwegen nicht vorhanden war, der Dialekt in Røros hat deshalb auch einige deutsche Wörter in seinen Wortschatz aufgenommen. Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Abbau von Kupfer dann dort eingestellt weil das Kupfervorkommen erschöpft schien, die Grube wurde aufgegeben und lief in der Folge voll Wasser.
1937 wurde dann ein weiterer Verlauf des Kupfervorkommens im Berg erkannt und eine zweite Bergbaumine, die Olavsgrube mit mehreren Kilometern Stollen gegraben. Der moderne Bergbau mit Dynamit und modernen Maschinen im Berg wurde dann bis 1972 verfolgt. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde -bedingt durch den Preisverfall bei Kupfer- dieser Bergbau unrentabel und eingestellt und die Mine aufgegeben.

Die englischsprachige Führung in die beiden Minen beginnt mit dem Einstieg in die alte Bergbaumine, die hunderte Arbeiter beim Kupfererz-Abbau, beim Abtransport des Grubenwassers, beim Erztransport und beim Auslösen des Kupfers aus dem Erz beschäftigt hatte. Die junge Frau, die uns führt, stammt aus einer Bergbauerfamilie, auch ihr Vater und Großvater hatten noch in der Olavsmine gearbeitet.

Entsprechend lebhaft und spannend kommen ihre Beschreibungen dann auch bei uns an.
Nach der Storwartzgrube geht es direkt in die Olavsmine, in der vor allem die riesigen unterirdischen Räume begeistern, die beim Erzabbau entstanden sind. Gute 90 Minuten dauert die Führung dann insgesamt, auch Lasse Isbjørn als Höhlentroll ist hier unten ganz aufgeregt… hoffentlich will er nicht hier unten bleiben und begleitet uns noch ein Stückchen auf unserer 2Radreise!

Als wir wieder aus der Grube kommen erwartet uns prächtigster Sonnenschein. Es ist gerade mal halb zwölf, deshab haben wir leicht die Zeit hier oben noch einen Kaffee in der Sonne zu trinken bevor wir wieder nach Røros fahren, Tina Vornesitzer will nämlich auch noch durch die alte Stadt bummeln.

Ach ja, den Schaltzug könnte man bei der Gelegenheit noch ölen, Udo Hintensitzers Job. 10 Tropfen Öl später ändert sich das Schaltverhalten genau überhaupt nicht, 20 Tropfen später ist die Verbesserung immer noch ganz nahe bei Null. Der ausgehängte Schaltzug zeigt uns dann auch warum: Er hat begonnen, sich in seine Einzellitzen aufzulösen und sollte dringend in den Müll wandern. Zum Glück hat Udo Hintensitzer in der Ersatzteilesammlung einen neuen Schaltzug mitgenommen. Blöd nur, dass der einen kleinen Makel hat: Er ist 20 cm zu kurz und wird vermutlich auch nach zweimaligem Abschneiden noch nicht passen.
Jetzt ist es doch ganz gut dass es zurück nach Røros hauptsächlich bergab geht. Außerdem glänzt Røros mit der Existenz einer gut ausgestatteten Fahrradwerkstatt, so dass wir die Schaltung kaum eine Stunde später wieder komplett im Team haben.

Einen Einkaufsbummel in Røros schminken wir uns bei der Gelegenheit auch gleich mit ab: Auf dem Weg zur Fahrradwerkstatt mussten wir uns durch Unmengen von Touristen kämpfen, was uns den Zahn „Kaffee oder Eis in der Altstadt“ ganz easy zieht.

Stattdessen bauen wir unser Zelt ab und suchen uns den Weg -FV532- nach Synnervika am Femundsee auf der Karte. Dort wollen wir morgen auf die Fæmund II steigen und 30 Kilometer über den Femundsee nach Süden fahren. Nach Synnervika sind es runde 35 Kilometer auf einer sehr ruhigen Straße, die zuerst asphaltiert am Fluss entlang, später auf planierter Kiesstraße in Kieferwäldchen an kleinen Seen vorbei führt. Einer davon ist fällig und bietet uns -ENDLICH- die erste Bademöglichkeit. Ok, zumindest für die Männer unter uns. Tina Vornesitzer outet sich als Mädchen und will lieber auf wärmere Bademöglichkeiten warten.

 

Kaum 5 Kilometer später erreichen wir das Ende der Straße und den Anlegeplatz der Fæmund II, die nur einmal täglich fährt: morgen früh um 9:00 geht’s los. Wir fragen hier noch nach einer Zeltmöglichkeit und können unser neues Zelt ganz lockere 50 Meter vom Schiff weg direkt am Ufer aufbauen.

Weiter mit „Femundsee – Rena, spannende Begegnungen“

Die Bildergalerie dieser Etappe:

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1 Kommentar

  1. Ruth Barnard Ruth Barnard
    26. Juli 2016    

    Ich sitze hier als Couch potatoe und lese eure Reiseberichte. Ich denke mich da richtig rein und erlebe alles mit, wenn auch nur durch eure Posts. Wie schön für euch. Memories made for a lifetime. Enjoy every moment.

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Unsere Etappen in der Übersicht

Die Hinreise zum Nordkapp

Vom Nordkapp nach Tromsø

Troms - Vesteralen - Lofoten

Bodø - Trondheim

Trondheim - Südnorwegen / Halden

Schwedische Westküste

Deutschland Nordost-Südwest: Usedom bis Bodensee

Frankreich Ost-West: Mulhouse - Nantes - Eurovelo 6

Frankreich Atlantikküste: St. Nazaire - Biarritz - Eurovelo 1

Spanien: Atlantik und Jakobsweg